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Rekordtemperaturen in Mitteleuropa im Mai und Juni 2026

Die Hitzetage der vergangenen Woche werden uns wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Sowohl wegen der erreichten absoluten Temperaturen als auch wegen ihres frühzeitigen Auftretens bereits im Juni. Mehrfach purzelten die Temperaturrekorde sowohl für einen Juni als auch absolut jemals gemessene seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei war dies bereits die zweite Hitzewelle in diesem Jahr. Für die erste Hitzewelle Ende Mai liegen vom Klimawandel-Service des copernicus-Projekts bereits ausgewertete Daten vor:

Hitzeglocke Mitteleuropa Mai 2026

Die tägliche oberflächennahe Lufttemperatur (°C) wurde über Westeuropa (11° W-15° E, 34-55° N) für die Jahre von 1940 bis 2025 jeweils für den Zeitraum vom 1. März bis 1. September gemittelt. Diese Werte sind im Hintergrund mit schwach rosa Linien dargestellt. Der Tagesdurchschnitt für den Referenzzeitraum 1991-2020 wird mit einer gestrichelten roten Linie angezeigt. Die Werte für das Jahr 2026 sind als dicke rote Linie aufgetragen. Quelle: Copernicus

Hitzestress

Nun sind gemessene Temperaturen das Eine, und sicher für die Statistik unverzichtbar. Unsere Empfindungen bei solchen Verhältnissen sind aber etwas Anderes: Wir fühlen nicht nur die Temperatur als solche, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, den Wind und die Sonneneinstrahlung. Werden diese Einflüsse mit berücksichtigt, spricht man von einer sogenannten gefühlten Temperatur. Diese erreichte in den vergangenen Hitzetagen laut dem ERA5-HEAT-Datensatz in weiten Teilen Westeuropas 35 ° C bis 40 °C. Die Werte entsprachen den Hitzestressbedingungen „stark“ (über 32°C) und „sehr stark“ (über 38°C).

Die Hitzewelle führte dazu, dass zahlreiche nationale und lokale Rekorde gebrochen wurden, sowohl für Tages- als auch für Nachttemperaturen. Damit verbunden waren erhebliche gesundheitliche Auswirkungen in allen betroffenen Ländern Westeuropas.

Anhaltende Hochdruckbedingungen

Verbunden war die Hitzewelle mit einem stabilen, nahezu stationären Hochdruckgebiet, was zu einer Ausprägung eines heat domes, einer Wärmekuppel, über Westeuropa führte. Dieses Wettermuster, das häufig bei großen Sommerhitzewellen beobachtet wird, führt zu längerer Sonneneinstrahlung, verbunden mit schwachen Winden und begünstigte somit die starke Aufheizung. An der Westflanke des Hochdruckgebietes wurde auch heiße Luft aus Marokko nach Norden transportiert, was wahrscheinlich zu den ungewöhnlich hohen Temperaturen in den nach Atlantik ausgerichteten Regionen beiträgt.

Schneller Übergang von kühler als durchschnittlich zu Hitzewelle

Die erste Hitzewelle Anfang Juni kam unmittelbar nach einer Zeit, in der die Bedingungen in weiten Teilen West- und Mitteleuropas kälter als im Durchschnitt waren. Durch den schnellen Übergang Ende Mai zu der anschließenden Hitzeperiode hatte der menschliche Körper wenig Zeit, sich an die viel höheren Temperaturen zu gewöhnen, was die Stress-Auswirkungen auf die Bevölkerung erhöht. Das frühe Timing setzte auch Vegetation und Ökosysteme zu Beginn der Vegetationsperiode extremer Hitze aus.

Temperatur-Anomalien Mai 2026 in Mitteleuropa

Durchschnittliche tägliche Oberflächenlufttemperaturanomalie (links) vom 11. bis 19. Mai 2026 und (rechts) vom 21. bis 30. Mai 2026 im Vergleich zum entsprechenden Durchschnitt für den Zeitraum 1991–2020. Datenquelle: ERA5. Quelle: Copernicus

Starke bis schwere marine Hitzewellen

So wie die Hitzewelle über dem Festland Mitteleuropas wurde auch in den Seegebieten um Großbritannien und Irland, im Golf von Biskaya und im westlichen Mittelmeer eine entsprechende Hitzewelle beobachtet. Das warme Wasser wurde wahrscheinlich durch die gleichen sonnigen und windarmen Bedingungen begünstigt.

Langfristiger Kontext: Die rasche Erwärmung Europas

Obwohl es so früh im Jahr bemerkenswert ist, stimmt dieses Ereignis mit der schnellen Erwärmung Europas und der zunehmenden Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen überein, die bereits im Sommer beobachtet wurden. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, mit einer Erwärmungsrate von etwa 0,56 °C pro Jahrzehnt seit Mitte der 1990er Jahre, mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Während sich das europäische Klima weiter erwärmt, werden Hitzewellen voraussichtlich sowohl immer früher als auch später im Jahr über den Sommer hinaus auftreten. Und in Verbindung mit den typischen Hochdruckwetterlagen werden sie länger dauern und zu höheren Temperaturen führen.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits im 5. Sachstandsbericht des IPCC 2013 prognostiziert wurde – dort allerdings charakterisiert als „ausgeprägt“ für die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dass dieser vorhergesagte Trend bereits jetzt deutlich spürbar ist belegt die Dringlichkeit des Problems.

Aktuell neue Rekordwerte gemessen

Aktuell droht die Situation sich weiter zu verschärfen. Wie der Copernicus Dienst zur Meeresumweltüberwachung und der Copernicus Dienst zum Klimawandel melden [https://climate.copernicus.eu/copernicus-marine-and-copernicus-climate-change-daily-global-sea-surface-temperatures-break-records], brechen die täglichen globalen Meeresoberflächentemperaturen alle Rekorde für die Jahreszeit.

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Beide Dienste bestätigen, dass die globalen Meeresoberflächentemperaturen (SST) nun die 2023 und 2024 beobachteten Rekordwerte für diese Jahreszeit überschritten haben. Die täglichen SST-Daten des C3S übertrafen am 21. Juni mit 20,86 °C die Werte von 2024 und lagen geringfügig über den 20,83 °C der Jahre 2023 und 2024. Auch die täglichen SST-Daten des CMEMS wiesen am 21. Juni Rekordtemperaturen von 21,0 °C aus und übertrafen die bisherigen Rekorde aus den Jahren 2023 und 2024 um 0,1 °C.

Der neue globale Rekordwert für die Meeresoberflächentemperatur zu dieser Jahreszeit war nach der Ankündigung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 2. Juni 2026 zum Beginn von El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik sowie den in den vergangenen Monaten in mehreren Ozeanregionen ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen zu erwarten. Prognosen zufolge wird dieser Rekord Auswirkungen auf Wetterverläufe, das globale Klima und marine Ökosysteme haben.

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes bemerkte dazu:

„Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns wieder einmal in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts dieser Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El-Niño-Ereignisses werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen.“

Konsequenzen?

Dass grundlegende und konsequente Reaktionen angesichts der realen Bedingungen von Hitzewellen und der unmittelbar drohenden Verschärfung der Probleme nötig sind, werden wohl nur noch Voll-Ignorant:innen bestreiten. Was aber wird unternommen? – Kommunen werden beauftragt, Hitzeschutzpläne zu erarbeiten, deren Umsetzung an der Finanzierung scheitert. Flächen sollen entsiegelt werden. Das Gegenteil passiert – in Jena wird gerade im Ortsteil Münchenroda eine Grünfläche für die Bebauung mit Einfamilienhäusern geplant.

Hitzeschutz besteht vor allem aus nett gemeinten Hinweisen an die Bevölkerung, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten soll. Ob dabei einige öffentliche Trinkbrunnen im Stadtgebiet der Durchbruch sind, ist fraglich.

Ursache sind die durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise seit der Industrialisierung emittierten Treibhausgase, zuallererst CO2. Eine ernsthafte Reduzierung der Emissionen sollte natürlich bei den größten Emittenten beginnen. Dabei tragen wenige große Unternehmen maßgeblich zur CO2-Belastung bei: 2024 gingen laut der Datenbank Carbon Majors mehr als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen auf lediglich 32 Konzerne zurück.  Solange in der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise – genannt Kapitalismus – der Profit die bestimmende Wirtschaftsgröße ist und fortwährendes Wachstum einschließlich Raubbau an Mensch und Natur erzwingt, werden wir das Problem nicht lösen. Ich kenne nur einen sinnvollen Ansatz: Schnellstmögliche Transformation zu einem ökologischen sozialistischen System. Streng genommen ist es dafür aber wohl schon zu spät. Deshalb bleibt nur der Kampf um jedes zehntel Grad vermiedene Erderwärmung.

Die menschliche Klima-Nische wird kleiner

Am 22. Mai 2023 veröffentlichten Timothy M. Lenton u. a einen Artikel in der Zeitschrift Nature unter dem Titel „Quantifying the human cost of global warming“, der die zukünftig zu erwartenden Probleme der Lebensbedingungen vieler Menschen unter den Bedingungen des Klimawandels untersucht. Nachfolgend sind daraus einige wesentliche Aspekte dargestellt.

Aktuell zeigt sich, dass trotz verstärkter Zusagen und verbesserter Ziele zur Bekämpfung des Klimawandels die Welt bei der derzeitigen Politik immer noch auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung von etwa 2,7 °C am Ende des Jahrhunderts gegenüber dem vorindustriellen Niveau ist. Forderungen nach Klimagerechtigkeit unterstreichen die Notwendigkeit, die durch den Klimawandel verursachten sozialen Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Bestehende Schätzungen der Kosten des Klimawandels werden fast ausschließlich in Geldwerten ausgedrückt, wodurch die Auswirkungen auf die Reichen stärker ins Gewicht fallen, als die auf die Armen. Hinzu kommt, dass zukünftige Schäden einer wirtschaftlichen Diskontierung unterliegen, weshalb die heute Lebenden ihre Belastungen höher schätzen ein als die der in der Zukunft Lebenden. Unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit ist dies unethisch: Wenn Leben oder Gesundheit auf dem Spiel stehen, sollten alle Menschen gleichbehandelt werden, egal ob sie reich oder arm sind, egal ob sie leben oder noch nicht geboren wurden.
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Klimawandel in Jena – Daten von 1979 bis 2022

Meteoblue ist die von mir bevorzugte Webseite für die Wettervorhersage. Sie ist sehr übersichtlich, ohne allzu viel Werbung und mit einer Anzeige, wie hoch die Treffsicherheit der Vorhersage ist. Nebenbei bietet die Seite eine Vielzahl von weiteren Informationen rund um Wetter und Klima.
Vor einigen Tagen wurden Grafiken zu klimatischen Entwicklungen für Jena veröffentlicht. Die Daten zeigen die Entwicklung der mittleren Jahrestemperaturen bzw. des Gesamtniederschlags für Jena und Umgebung (etwa 30 Km räumliche Auflösung). Angabe zur Quelle der verwendeten Daten finden sich auf der Website von Meteoblue.

Entwicklung der jährlichen Temperaturen in Jena

Temperaturentwicklung in Jena 1979 bis 2022

Temperaturentwicklung in Jena 1979 bis 2022


Die Grafik zeigt die Schätzung der mittleren Jahrestemperatur für die Zeit von 1979 bis 2022. Die gestrichelte blaue Linie ist der berechnete lineare Trend der Jenaer Jahresmitteltemperaturen. Er beginnt 1979 bei 8,1 °C und endet 2020 bei 10,2 °C. Das entspricht einer Klimaerwärmung von 2,1 °C. Die violette Linie stellt die für das jeweilige Jahr ermittelte mittlere Jahrestemperatur dar. Damit korrespondieren die unten dargestellten farbigen Erwärmungsstreifen. Sie stellen die Abweichung im Vergleich zum 30-jährigen Klimamittelwert 1980-2010 dar; rot, bei einer positiven Abweichung – das Jahr war wärmer als der Mittelwert und blau bei einer negativen Abweichung – das Jahr war kälter als der Mittelwert.
Der Trend zu einer steigenden Jahresmitteltemperatur ist klar erkennbar.

Entwicklung des jährlichen Niederschlags in Jena

Entwicklung des Niederschlags in Jena 1979 bis 2022

Entwicklung des Niederschlags in Jena 1979 bis 2022


Dargestellt ist die Entwicklung des mittleren Gesamtniederschlags für Jena und Umgebung. Die Trendlinie ist zwar leicht fallend – ein klarer Trend ist hier jedoch nicht zu erkennen.

Monatliche Abweichungen von Temperatur und Niederschlag 1979-2022 – Klimawandel Jena

Abweichungen der Temperatur und des Niederschlags in Jena 1979 bis 2022

Abweichungen der Temperatur und des Niederschlags in Jena 1979 bis 2022


Das Diagramm zeigt die monatlichen Abweichungen im Vergleich zum 30-jährigen Klimamittelwert 1980-2010 für die Temperatur und den Niederschlag in Jena. Für die Temperatur ist ab 2015 erkennbar, dass es nur noch sehr wenige negative Abweichungen gibt. Dies widerspiegelt die mit dem Klimawandel verbundene Erwärmung ganz klar auch für die Region Jena.
Für den Niederschlag ist solch eine eindeutige Tendenz nicht erkennbar, obwohl ab 2015 die negativen Abweichungen – es war trockener als im klimatischen Mittel – erkennbar ist.
Weitere Details sind auf der Meteoblue-Website nachzulesen.

Klimakrise: Wie weiter mit der Energie – Renaissance der Kernkraft?

Ausgangspunkt für den Versuch einer Antwort ist das Erreichen des 2015 in Paris beschlossenen Ziels: Begrenzung des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1,5 °C im Vergleich zum vor-industriellen Zeitalter. Auf welchem Weg dahin bewegen wir uns derzeit be-züglich der Energie?
Im Vorfeld der COP 26 Tagung in Glasgow im November 2021 hat die Inter-nationale Energieagentur (IEA) im Oktober in ihrem „World Energy Outlook 2021“ ein neues Szenario veröffentlicht, wie bis 2050 die CO2-Netto-Emission auf Null gesenkt und das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden könnte.

verschiedene Szenarien der Entwicklung der CO2-Emission

verschiedene Szenarien der Entwicklung der CO2-Emission


Die Kurve STEPS (Stated Policies) beschreibt dabei den Stand der aktuellen Regierungsprogramme und Ziele der Staaten zum Klimaschutz. Das Szenario APS (Announced Pledges Scenario) modelliert die für Glasgow neu zugesagten Veränderungen in der Energieversorgung und bei den Emissionen der Staaten zur Erreichung der Klimaziele. Beispielsweise ist hier bereits das neue EU-Klimagesetz vom Sommer 2021 und das „Fit for 55“-Paket der EU als vollständig umgesetzt eingerechnet. Beide Szenarien verfehlen das 1,5-Grad-Ziel deutlich.
Weil das von der IEA früher verwendete Zielszenario SDS (Sustainable Deve-lopment Scenario) das 1,5 Grad Ziel inzwischen auch nicht mehr erreicht, wurde es durch das Szenario NZE (Net Zero Emissions by 2050 Scenario) er-setzt. Hier wird aufgezeigt, wie das 1,5 Grad-Ziel erreicht werden könnte. Unter Anderem sind dabei folgende Zwischenziele anvisiert:
2021: keine neuen Erschließungen von Öl- oder Gasvorkommen mehr, keine neuen Kohleminen oder deren Erweiterung
2030: 60 Prozent aller verkauften Autos mit Elektroantrieb
2030: 1.020 Gigawatt jährlicher Zubau von Photovoltaik und Windan-lagen
2035: Netto-Null CO2-Emissionen im Stromsektor in allen „advanced economies”, also mindestens in allen OECD-Ländern
2040: Treibhausgasfreier Stromsektor weltweit
2040: 50 Prozent aller Gebäude saniert auf Nullenergiestandard
2050: 70 Prozent der weltweiten Stromerzeugung aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen
2050: Netto-Null-Treibhausgasemissionen, auch durch „Carbon Capture and Usage“ aus den verbliebenen etwa 22 Prozent fossilen Energien
Entwicklung der Energieträger in den einzelnen Szenarien

Entwicklung der Energieträger in den einzelnen Szenarien


Die obenstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Energieträger in den ein-zelnen Szenarien. Deutlich wird, dass der Einsatz aller fossilen Energieträger spätestens ab 2025 stark sinkt, ja nahezu abstürzt. Zu den „Low emissions“ Energieträgern, deren Verwendung stark zunehmen muss, werden grüner Wasserstoff, daraus hergestellte Treibstoffe sowie aus Bioenergie-Anlagen gewonnene Treibstoffe gezählt.Ab dem Jahr 2030 müssten laut IEA jährlich global mehr als 1.000 Gigawatt Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen zugebaut werden um „Net Zero 2050“ zu erreichen, davon an Photovoltaik-Anlagen 630 Gigawatt. Das ist etwa fünfmal so viel, wie im Jahr 2020 zugebaut wurde. Die IEA ruft im World Energy Outlook 2021 explizit dazu auf, die Erneuerbaren Energien wesentlich stärker auszubauen als bislang geplant, um die Energiemärkte zu stabilisieren, die fossilen Energien zu ersetzen und so die Preise für Verbraucher niedrig zu halten.
Ein weiterer wichtiger Baustein beim beschleunigten Ausbau der erneuerba-ren Energien ist die Erhöhung der Flexibilität des Energiesystems. Es muss in der Lage sein, die Volatilität der Stromerzeugung aus Windkraft und Photo-voltaik-Anlagen auszugleichen.

Und was ist mit der Kernkraft?

Eine ganze Reihe von Gründen sprechen gegen Kernkraft. Da sind zum einen die bekannten Probleme wie die Betriebsrisiken, der radioaktive Müll und die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen. Weitere Gründe ergeben sich direkt aus dem oben dargestellten NZE-Szenario der IEA:
• Bezogen auf die Notwendigkeit, spätestens 2025 den Verbrauch fossiler Energieträger massiv durch Alternativen abzulösen, kann der Ausbau der Kernkraft keinen entscheidenden Beitrag leisten. Der Anteil der Kernkraft an der Deckung des weltweiten Energiebedarfs beträgt mit 415 Kernkraftwerken (KKW) in 33 Ländern derzeit etwa 2%; gemessen allein an der Stromerzeugung etwa 11%. Selbst eine Verdopplung der Anzahl der KKW brächte also kaum einen merklichen Effekt.
• Das Durchschnittsalter der KKW beträgt derzeit 31 Jahre – viele Reak-toren werden also in absehbarer Zeit stillgelegt werden müssen, weil ihre Betriebsdauer – ausgelegt auf maximal etwa 40 Jahre – abgelaufen ist. So wurden 2020 fünf KKW in Betrieb genommen und sechs ab-geschaltet. Insgesamt müssten in den kommenden 20 Jahren fast 300 Reaktoren neu gebaut werden, nur um die bestehenden Kapazitäten zu erhalten. Es sind aber gerade einmal 46 KKW im Bau in unterschied-lichen Phasen. Und vom Planungsbeginn bis zur Inbetriebnahme ver-gehen gut 20 Jahre – falls es keine Verzögerungen gibt.
• Der Bau eines Kernreaktors muss vorfinanziert werden, benötigt also Kredite. Weltweit jedoch stellt keine private Bank Kredite für den Neu-bau von Kernkraftwerken zur Verfügung. Sie gelten privatwirtschaftlich als unrentabel. Nur durch direkte und versteckte staatliche Subventio-nen sind sie bezahlbar. Das betrifft staatlich subventionierte Forschung und Entwicklung genauso wie staatliche Haftung im Katastrophenfall, staatlich finanzierte Endlagerung der radioaktiven Abfälle oder garan-tierte subventionierte Preise für jede erzeugte Kilowattstunde Strom (Großbritannien – Hinkley Point). Hinzu kommt, dass jeder Euro an Subventionen, der in die Kernkraft gesteckt wird, für Investitionen in erneuerbare Energien, in Speichertechnologien und in Energieeffizienz fehlt. Insofern ist Kernkraft tatsächlich schlecht für den Klimaschutz.
• Kernkraft und erneuerbare Energien sind technisch nicht kompatibel. Kernkraft basiert auf dem Prinzip der Grundlastsicherung. Einmal in Betrieb lässt sich ein Kernreaktor nur sehr träge bezüglich seiner Leis-tungsabgabe regeln. Erneuerbare Energien unterliegen in ihrem Auf-kommen Schwankungen, die vor allem durch Speicher ausgeglichen werden müssen. Deshalb fordert die IEA in ihrem NZE-Szenario auch eine Erhöhung der Flexibilität des Energiesystems. Dem steht jedoch der Ausbau der Kernkraft diametral entgegen.
• Die Gestehungskosten für Strom sind bei Erzeugung in Kernkraftwerken am höchsten, wie die folgende Grafik zeigt:

Stromgestehungskosten nsch Art der Entstehung

Stromgestehungskosten nsch Art der Entstehung


• Und: Seit 2009 fielen die Preise für Solaranlagen um 90% und für Windkraftanlagen um 70%, während sie für Kernkraftanlagen im glei-chen Zeitraum um 30% stiegen. Somit ist auch aus sozialen Gründen Kernkraft eindeutig die schlechteste Wahl.
Wenn heute seitens der Regierungen einiger EU-Mitgliedsländer gefordert wird, Kernkraft als „emissionsfrei“ anzuerkennen, so stehen dahinter finan-zielle Interessen: Entsprechend der EU-Taxonomie würden Investitionen in Kernkraft dann als „Grünes“ Investment zählen. Diese „nachhaltige wirt-schaftliche Tätigkeit“ ist dann für Finanzanleger von großem Interesse.
Dieser Text steht auch als PDF-Datei zur Verfügung.
Weiterführende Informationen zur Problematik Klimakrise und Kernkraftbgibt es auf der Website von .ausgestrahlt. Eine kleine Broschüre ist auch „Irrweg in der Klimakrise (von .augestrahlt übernommen).

JENA.WIRD.2035.KLIMANEUTRAL!

Der Jenaer Stadtrat hat am Mittwoch, den 14.7,  einen Beschluss gefasst, der noch kürzlich undenkbar schien: Jena setzt sich zum Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden und dafür einen konkreten Maßnahmenplan aufstellen zu lassen!

ALLE Forderungen des Klimaentscheids Jena sind damit gültiger Beschluss! Sie waren bereits von der Stadtverwaltung ohne Abstriche übernommen und nun in den Stadtrat eingebracht worden. Bis auf die AfD (dagegen) und Bürger für Jena (Enthaltung) haben alle Fraktionen des Jenaer Stadtrats für dieses Bekenntnis zum 1,5°-Ziel gestimmt.

Damit ist das Bürger*innenbegehren „Klimaentscheid: Jena klimaneutral bis 2035“ nach nicht einmal zwei Wochen Sammlungszeit beendet. Denn der geforderte Beschluss ist gefasst. In den ersten zwei Wochen konnten wir bereits 1500 Unterschriften sammeln. Hier ist die auch für uns noch immer ziemlich unglaubliche Lage etwas ausführlicher dargelegt.

Wie geht’s jetzt weiter?

Wir gehen jetzt erstmal in die wohlverdiente Sommerpause, aber dann werden wir weiter machen, um sicherzugehen, dass die Stadt unsere Forderungen auch tatsächlich zeitnah umsetzt.

Critical Mass am 06.07.

Am Dienstag, den 6. Juli werden wir gemeinsam über die Stadtrodaer Straße fahren.

Diesmal gibt es außerdem noch die Gelegenheit, den Radentscheid und den Klimaentscheid zu unterschreiben und so dazu beizutragen, dass Jena
eine bessere Fahrradinfrastruktur bekommt und bis 2035 klimaneutral wird.

Also kommt vorbei und sagt allen Freund:innen Bescheid!

Für einen musikalischen Ausklang ist auch gesorgt.

Wann? 6. Juli 18 Uhr
Wo? Ernst-Abbe-Platz

Grünes Licht von Stadt

Der Klimaentscheid Jena hat die erste große Hürde genommen: Unser Antrag auf Bürgerbegehren wurde von der Stadt für rechtlich zulässig befunden! Damit steht dem Beginn der Unterschriftensammlung Anfang Juli nichts mehr im Weg. Gefordert wird dann konkret:

  • die Festschreibung des Ziels Klimaneutralität in Jena bis 2035
  • die Erstellung eines Maßnahmenplanes (Klima-Aktionsplanes KAP) zur Erreichung dieses Ziels
  • anschließende Präsentation und Beratung des KAP per Bürger*innenbeteiligung
  • jährliche Berichterstattung zum Stand der Umsetzung
  • Begleitung der Maßnahmen durch den Klimaschutzbeirat

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Fight Climate Injustice

Schon gehört?
FFF Jena geht wieder auf die Straße!

Als Abschluss unserer MAPA-AKTIONSREIHE wollen wir nochmal richtig laut durch die Stadt ziehen um zu zeigen, dass die Klimakrise schon heute Menschenleben aufs Spiel setzt und es unser aller Verantwortung ist, dieser Krise gerecht entgegen zu wirken!

Am 4. JUNI um 16 UHR starten wir an der STADTKIRCHE.

Bringt eure Corona-Buddies Medizinische Masken, gute Stimmung mit und wenn wir gemeinsam auf die Abstände zwischeneinander achten, sollte einer Demo nichts im Wege stehen!