Hervorgehobener Beitrag

Parents for Future Jena und Scientists for Future Jena

Fakten zur Klimakrise

Aktuelle  Termine

  • Nächster Termin: Donnerstag, 15. Oktober 2026 – um 19:30 Uhr im Umsonstladen (Am Rähmen 11)

Bei Interesse bitte mail an jena@parentsforfuture.de

Netzwerk in Jena

Planetary Health Report 2026

Die Vitalzeichen unseres Planeten blinken rot.

7 von 9 planetaren Grenzen sind überschritten.

Wir müssen jetzt handeln.

Die Auswirkungen der Überschreitung der planetarischen Grenzen werden überall um uns herum immer deutlicher.

Die im Verlauf des letzten Jahres veröffentlichte Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als bisher erwartet. Das führt zu beispiellosen Hitzewellen an Land und im Ozean und verschärft zerstörerische Wetterextreme. Tropische Korallenriffe haben ihre bislang schwerwiegendste Massenbleiche erlitten. Ein Zusammenbruch der atlantischen Umwälzströmung– der Golfstrom ist ein Teil davon – gilt mittlerweile selbst bei Szenarien mit niedrigen bis mittleren Emissionen als glaubwürdiges Risiko.

Extremereignisse global 2025/2026Karte der extremen Wetterereignisse mit den größten Auswirkungen zwischen April 2025 und April 2026. Die meisten lassen sich auf den Klimawandel zurückführen, entweder aufgrund direkter Studien (rot) oder weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse insgesamt darauf hindeuten, dass der Klimawandel das Risiko oder die Intensität wahrscheinlich erhöht hat (orange).

Da sieben von neun planetaren Grenzen überschritten wurden, haben wir die Erde aus ihrem „sicheren Handlungsraum“ verdrängt. Das bedeutet, dass wir die Erde von einer sicheren Heimat in einen Ort voller Gefahren verwandeln, die Menschen auf der ganzen Welt bedrohen.

Planetare Grenzen

planetare Grenzen 2026

Die neun planetarischen Grenzen sind:

  • Klimawandel: Störung des Energiegleichgewichts der Erde, vor allem durch Treibhausgasemissionen und Veränderungen des Strahlungsantriebs.
  • Veränderung der Integrität der Biosphäre: Verlust der Biodiversität und Schwächung der Funktionsfähigkeit von Ökosystemen.
  • Veränderung des Landsystems: Umgestaltung natürlicher Landschaften, insbesondere durch Entwaldung, Bodendegradation und Urbanisierung.
  • Veränderung des Süßwassers: Störung der Wasserströme durch Landschaften und Ökosysteme, einschließlich Flüsse, Seen, Grundwasser und Bodenfeuchte.
  • Veränderung biogeochemischer Ströme: Störung der Nährstoffkreisläufe, insbesondere von Stickstoff und Phosphor.
  • Ozeanversauerung: chemische Veränderung des Meereswassers durch die Aufnahme von Kohlendioxid, mit Folgen für das Leben im Meer und die Klimaregulierung.
  • Anstieg der Aerosolbelastung in der Atmosphäre: Veränderungen bei den Schwebeteilchen, die das Klima, die Niederschlagsmuster und die menschliche Gesundheit beeinflussen.
  • Abbau der stratosphärischen Ozonschicht: Ausdünnung der schützenden Ozonschicht, wodurch die schädliche Ultraviolettstrahlung an der Erdoberfläche zunimmt.
  • Einbringen neuer Stoffe: Freisetzung und Anreicherung von vom Menschen hergestellten und in Umlauf gebrachten Stoffen wie Kunststoffen, synthetischen Chemikalien, Pestiziden und anderen Schadstoffen.

Die aktuelle Bewertung zeigt, dass sieben der neun planetarischen Grenzen überschritten wurden: Klimawandel, Veränderung der Integrität der Biosphäre, Veränderung des Landnutzungssystems, Veränderung der Süßwasserressourcen, Veränderung biogeochemischer Ströme, Ozeanversauerung und Einführung neuartiger Substanzen liegen außerhalb des sicheren Handlungsraums. Während die Aerosolbelastung der Atmosphäre und der Ozonabbau in der Stratosphäre auf globaler Ebene weiterhin innerhalb ihrer planetarischen Grenzen liegen, könnte die Aerosolbelastung in einigen Regionen bereits unsichere Werte erreicht haben. Beide Grenzen erfordern weiterhin eine sorgfältige Überwachung.

Überschreitung der Planetaren Grenzen 2026SIEBEN VON NEUN PLANETARISCHEN GRENZEN SIND ÜBERSCHRITTEN. Die Bewertungen der planetarischen Grenzen verwenden repräsentative Variablen, sogenannte „Kontrollvariablen“, um den Zustand der neun Prozesse zu beschreiben, die für die Regulierung der Stabilität, der Widerstandsfähigkeit und der lebenserhaltenden Funktionen des Erdsystems entscheidend sind. Bislang verwendet das Rahmenwerk der planetarischen Grenzen 1–2 Kontrollvariablen pro Grenze. Die Farben (grün für „innerhalb des sicheren Handlungsraums“, gelb für „Zone mit steigendem Risiko“ und rot für „Zone mit hohem Risiko“) beziehen sich auf den Grad der Überschreitung der Grenze. Auf der unteren Farbskala fasst ein Boxplot die Verteilung aller 13 Werte der Kontrollvariablen auf einen Blick zusammen. Der Boxplot ist das dynamische Herzstück des „Planetary Health Check“-Symbols (siehe Abb. 1) und zeigt die Verteilung aller aktuellen Werte der PB-Kontrollvariablen an. Die dünne Linie stellt den gesamten Bereich aller Werte der Kontrollvariablen dar, während die dickere Linie den Bereich angibt, in den die Hälfte aller Werte der Kontrollvariablen fällt. Der blaue Punkt stellt den Median aller Kontrollvariablen dar. Die PB-Bewertungen basieren auf den aktuellsten verfügbaren Daten; in einigen Fällen bedeutet dies, dass sie auf Datensätzen basieren, die älter als 2026 sind. Eine ausführliche Beschreibung der verwendeten Daten finden Sie in der Vollversion des PHC-Berichts.

Wo liegen die drängendsten Probleme?

In der jüngeren Vergangenheit wurde die Hälfte unserer CO₂-Emissionen vom Ozean und der Natur an Land gebunden. Wenn Wissenschaftler einen Weg in eine beherrschbare klimatische Zukunft aufzeigen, gehen ihre Berechnungen in der Regel davon aus, dass Wälder, Feuchtgebiete und andere Ökosysteme weiterhin auf diese Weise als „Kohlenstoffsenken“ fungieren werden. Doch bereits heute zeigt die Kohlenstoffsenke an Land Anzeichen einer Schwächung und Stagnation, vergleichbar einer Art von Stress-Reaktion. Eine neue Studie hat bestätigt, dass bereits eine geringe zusätzliche Entwaldung im Amazonasgebiet die Region unter den aktuellen Klimaprognosen wahrscheinlich über einen Kipppunkt hinausbringen würde, was zum Verlust von zwei Dritteln des verbleibenden Waldes führen würde.

Wir müssen den Meeresboden schützen.

Die Ökosysteme des Meeresbodens spielen eine bedeutende Rolle im Erdsystem, dennoch zerstören wir sie in alarmierendem Tempo. Fischereitechniken wie die Grundschleppnetzfischerei verursachen dauerhafte Schäden: Jedes Jahr werden 1–2 % des Meeresbodens mit Schleppnetzen befischt, wobei einige der produktivsten und artenreichsten Meeresregionen am häufigsten betroffen sind. Darüber hinaus stellen die noch in den Anfängen befindlichen Bergbauaktivitäten am Meeresboden eine drohende Gefahr für bisher unberührte Regionen der Tiefsee dar, mit Auswirkungen auf das Erdsystem, die noch nicht quantifiziert werden können. Es werden dringend wirksamere Mechanismen zum Schutz dieser lebenswichtigen, aber noch kaum erforschten Ökosysteme benötigt.

Mikroplastik, Ewigkeitschemikalien und andere chemische Schadstoffe bergen sowohl bekannte als auch noch unbekannte Gefahren.

So verschmutzen beispielsweise (Mikro-)Kunststoffe heute den gesamten Planeten, von den Berggipfeln bis in die Tiefsee, und Ewigkeitschemikalien wie PFAS werden noch Jahrtausende lang nicht aus unserer Umwelt verschwinden. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: Die Wirtschaft produziert Zehntausende von Chemikalien und Gemischen in beispiellosem und stetig steigendem Umfang. Wir beginnen bereits, die Schäden zu erkennen, die diese Substanzen verursachen – von toxischen Wirkungen auf einzelne Organismen bis hin zur Störung von Prozessen im Erdsystem. Noch gefährlicher sind jene Auswirkungen, über die wir derzeit nur spekulieren können. Die meisten der Stoffe, die wir produzieren und freisetzen, werden nicht oder nicht ausreichend auf ihre Auswirkungen auf das Erdsystem geprüft. Wir agieren im Blindflug: Bis wir uns ein vollständiges Bild von der Gefahr gemacht haben, könnte es bereits zu spät sein, sie abzuwenden.

Die Auswirkungen der Überschreitung der planetarischen Grenzen sind bereits überall um uns herum zu spüren, und sie werden weiter an Schwere zunehmen. Es gibt nur noch ein schmales Zeitfenster der Möglichkeiten die bisher eingeschlagene Entwicklung umzukehren. Wenn wir das wollen, muss jedoch eines klar sein: Ohne eine umgehende und rigorose Änderung der klimaschädlichen Lebens- und Produktionsweise der Gegenwart wird es keine sichere Zukunft geben.

Demo gegen den AfD-Parteitag in Erfurt am 4. Juli 2026

Unter dem Motto „Zusammen stehen – vielfältig – solidarisch – weltoffen“ fand am 4. Juli stadtweit in Erfurt eine Gegenveranstaltung zum AfD-Parteitag statt. Unter der Schirmherrschaft von Fridays for Future Erfurt wurde am Anger gegen die Positionen der AfD im Zusammenhang mit der Klimakrise protestiert.

Die Parents- und Scientists for Future Jena unterstützten den Protest mit dem „Klimafieber Zeitstrahl“ – einer kommentierten Darstellung er Warmingstripes von 1850 bis zur Gegenwart und einer Extrapolation bis zum Jahr 2100. Der Zeitstrahl ist etwa 30 Meter lang:

 

Immer wieder fand sich interessiertes Publikum und diskutierte über die dargestellten Fakten und Zusammenhänge.

Wer sich für weitere Informationen zu dem „Klimafieber Zeitstrahl“ interessiert, findet diese unter kurzelinks.de/klimateppich_infoseite.

Rekordtemperaturen in Mitteleuropa im Mai und Juni 2026

Die Hitzetage der vergangenen Woche werden uns wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Sowohl wegen der erreichten absoluten Temperaturen als auch wegen ihres frühzeitigen Auftretens bereits im Juni. Mehrfach purzelten die Temperaturrekorde sowohl für einen Juni als auch absolut jemals gemessene seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei war dies bereits die zweite Hitzewelle in diesem Jahr. Für die erste Hitzewelle Ende Mai liegen vom Klimawandel-Service des copernicus-Projekts bereits ausgewertete Daten vor:

Hitzeglocke Mitteleuropa Mai 2026

Die tägliche oberflächennahe Lufttemperatur (°C) wurde über Westeuropa (11° W-15° E, 34-55° N) für die Jahre von 1940 bis 2025 jeweils für den Zeitraum vom 1. März bis 1. September gemittelt. Diese Werte sind im Hintergrund mit schwach rosa Linien dargestellt. Der Tagesdurchschnitt für den Referenzzeitraum 1991-2020 wird mit einer gestrichelten roten Linie angezeigt. Die Werte für das Jahr 2026 sind als dicke rote Linie aufgetragen. Quelle: Copernicus

Hitzestress

Nun sind gemessene Temperaturen das Eine, und sicher für die Statistik unverzichtbar. Unsere Empfindungen bei solchen Verhältnissen sind aber etwas Anderes: Wir fühlen nicht nur die Temperatur als solche, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, den Wind und die Sonneneinstrahlung. Werden diese Einflüsse mit berücksichtigt, spricht man von einer sogenannten gefühlten Temperatur. Diese erreichte in den vergangenen Hitzetagen laut dem ERA5-HEAT-Datensatz in weiten Teilen Westeuropas 35 ° C bis 40 °C. Die Werte entsprachen den Hitzestressbedingungen „stark“ (über 32°C) und „sehr stark“ (über 38°C).

Die Hitzewelle führte dazu, dass zahlreiche nationale und lokale Rekorde gebrochen wurden, sowohl für Tages- als auch für Nachttemperaturen. Damit verbunden waren erhebliche gesundheitliche Auswirkungen in allen betroffenen Ländern Westeuropas.

Anhaltende Hochdruckbedingungen

Verbunden war die Hitzewelle mit einem stabilen, nahezu stationären Hochdruckgebiet, was zu einer Ausprägung eines heat domes, einer Wärmekuppel, über Westeuropa führte. Dieses Wettermuster, das häufig bei großen Sommerhitzewellen beobachtet wird, führt zu längerer Sonneneinstrahlung, verbunden mit schwachen Winden und begünstigte somit die starke Aufheizung. An der Westflanke des Hochdruckgebietes wurde auch heiße Luft aus Marokko nach Norden transportiert, was wahrscheinlich zu den ungewöhnlich hohen Temperaturen in den nach Atlantik ausgerichteten Regionen beiträgt.

Schneller Übergang von kühler als durchschnittlich zu Hitzewelle

Die erste Hitzewelle Anfang Juni kam unmittelbar nach einer Zeit, in der die Bedingungen in weiten Teilen West- und Mitteleuropas kälter als im Durchschnitt waren. Durch den schnellen Übergang Ende Mai zu der anschließenden Hitzeperiode hatte der menschliche Körper wenig Zeit, sich an die viel höheren Temperaturen zu gewöhnen, was die Stress-Auswirkungen auf die Bevölkerung erhöht. Das frühe Timing setzte auch Vegetation und Ökosysteme zu Beginn der Vegetationsperiode extremer Hitze aus.

Temperatur-Anomalien Mai 2026 in Mitteleuropa

Durchschnittliche tägliche Oberflächenlufttemperaturanomalie (links) vom 11. bis 19. Mai 2026 und (rechts) vom 21. bis 30. Mai 2026 im Vergleich zum entsprechenden Durchschnitt für den Zeitraum 1991–2020. Datenquelle: ERA5. Quelle: Copernicus

Starke bis schwere marine Hitzewellen

So wie die Hitzewelle über dem Festland Mitteleuropas wurde auch in den Seegebieten um Großbritannien und Irland, im Golf von Biskaya und im westlichen Mittelmeer eine entsprechende Hitzewelle beobachtet. Das warme Wasser wurde wahrscheinlich durch die gleichen sonnigen und windarmen Bedingungen begünstigt.

Langfristiger Kontext: Die rasche Erwärmung Europas

Obwohl es so früh im Jahr bemerkenswert ist, stimmt dieses Ereignis mit der schnellen Erwärmung Europas und der zunehmenden Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen überein, die bereits im Sommer beobachtet wurden. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, mit einer Erwärmungsrate von etwa 0,56 °C pro Jahrzehnt seit Mitte der 1990er Jahre, mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Während sich das europäische Klima weiter erwärmt, werden Hitzewellen voraussichtlich sowohl immer früher als auch später im Jahr über den Sommer hinaus auftreten. Und in Verbindung mit den typischen Hochdruckwetterlagen werden sie länger dauern und zu höheren Temperaturen führen.

Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits im 5. Sachstandsbericht des IPCC 2013 prognostiziert wurde – dort allerdings charakterisiert als „ausgeprägt“ für die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dass dieser vorhergesagte Trend bereits jetzt deutlich spürbar ist belegt die Dringlichkeit des Problems.

Aktuell neue Rekordwerte gemessen

Aktuell droht die Situation sich weiter zu verschärfen. Wie der Copernicus Dienst zur Meeresumweltüberwachung und der Copernicus Dienst zum Klimawandel melden [https://climate.copernicus.eu/copernicus-marine-and-copernicus-climate-change-daily-global-sea-surface-temperatures-break-records], brechen die täglichen globalen Meeresoberflächentemperaturen alle Rekorde für die Jahreszeit.

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Temperaturekorde in Meer Juni 2026

Beide Dienste bestätigen, dass die globalen Meeresoberflächentemperaturen (SST) nun die 2023 und 2024 beobachteten Rekordwerte für diese Jahreszeit überschritten haben. Die täglichen SST-Daten des C3S übertrafen am 21. Juni mit 20,86 °C die Werte von 2024 und lagen geringfügig über den 20,83 °C der Jahre 2023 und 2024. Auch die täglichen SST-Daten des CMEMS wiesen am 21. Juni Rekordtemperaturen von 21,0 °C aus und übertrafen die bisherigen Rekorde aus den Jahren 2023 und 2024 um 0,1 °C.

Der neue globale Rekordwert für die Meeresoberflächentemperatur zu dieser Jahreszeit war nach der Ankündigung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 2. Juni 2026 zum Beginn von El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik sowie den in den vergangenen Monaten in mehreren Ozeanregionen ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen zu erwarten. Prognosen zufolge wird dieser Rekord Auswirkungen auf Wetterverläufe, das globale Klima und marine Ökosysteme haben.

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes bemerkte dazu:

„Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns wieder einmal in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts dieser Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El-Niño-Ereignisses werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen.“

Konsequenzen?

Dass grundlegende und konsequente Reaktionen angesichts der realen Bedingungen von Hitzewellen und der unmittelbar drohenden Verschärfung der Probleme nötig sind, werden wohl nur noch Voll-Ignorant:innen bestreiten. Was aber wird unternommen? – Kommunen werden beauftragt, Hitzeschutzpläne zu erarbeiten, deren Umsetzung an der Finanzierung scheitert. Flächen sollen entsiegelt werden. Das Gegenteil passiert – in Jena wird gerade im Ortsteil Münchenroda eine Grünfläche für die Bebauung mit Einfamilienhäusern geplant.

Hitzeschutz besteht vor allem aus nett gemeinten Hinweisen an die Bevölkerung, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten soll. Ob dabei einige öffentliche Trinkbrunnen im Stadtgebiet der Durchbruch sind, ist fraglich.

Ursache sind die durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise seit der Industrialisierung emittierten Treibhausgase, zuallererst CO2. Eine ernsthafte Reduzierung der Emissionen sollte natürlich bei den größten Emittenten beginnen. Dabei tragen wenige große Unternehmen maßgeblich zur CO2-Belastung bei: 2024 gingen laut der Datenbank Carbon Majors mehr als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen auf lediglich 32 Konzerne zurück.  Solange in der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise – genannt Kapitalismus – der Profit die bestimmende Wirtschaftsgröße ist und fortwährendes Wachstum einschließlich Raubbau an Mensch und Natur erzwingt, werden wir das Problem nicht lösen. Ich kenne nur einen sinnvollen Ansatz: Schnellstmögliche Transformation zu einem ökologischen sozialistischen System. Streng genommen ist es dafür aber wohl schon zu spät. Deshalb bleibt nur der Kampf um jedes zehntel Grad vermiedene Erderwärmung.

Klimaberichterstattung im TV – war da mal was?

Ein Anliegen dieses Blogs ist es, das Thema Klimakrise immer wieder zu benennen. Schließlich ist das die größte Krise unserer Zeit, wenn auch Kriege momentan die öffentliche Berichterstattung dominieren. Heute ist mir ein Kommentar aufgefallen, der das Problem der unzureichenden Medienberichterstattung bezüglich der Klimakrise in den Fokus nimmt.

Vielleicht sind dem Einen oder Anderen die kurzen Berichte „… vor acht“ in der ARD bekannt. Da gibt es das Wetter vor acht, die Wirtschaft vor acht, das Wissen vor acht und auch das Klima vor acht. Relativ selten, wie nicht nur mir aufgefallen ist. Es gibt eine Initiative „Klima vor acht e. V.“, welche die Häufigkeit der Beiträge in ARD und ZDF, in denen es um das Thema Klimawandel geht, systematisch erfasst hat.

„Das Ergebnis ist alarmierend“ wird dabei festgestellt. Ich find diesen Begriff fast noch harmlos angesichts der Dringlichkeit, gegen die Klimakrise anzugehen.

Hier die Statistik, welche „Klima vor acht e. V.“ ermittelt hat:

  • 2023: 2,20 % (Das Erste) / 1,95 % (ZDF)
  • 2024: 1,49 % / 1,43 %
  • 2025: 1,29 % / 1,29 %
  • 2026 bisher: 0,80 % / 0,70 %

Die Klimaberichterstattung hat sich seit 2023 mehr als halbiert. Bei beiden Sendern.

Anteil der Sendungen zum Thema Klimawandel in ARD und ZDFQuelle: Klima vor acht e. V.

Während die Erderhitzung immer neue Rekorde bricht, sinkt die Berichterstattung auf ein historisches Tief. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen klaren Informationsauftrag – und wird ihm beim Thema Klima immer weniger gerecht. Die Vorständin des „Klima vor acht e. V.“, Friederike Mayer sagt in diesem Post:

„Wir messen bei ‚das Erste‘ und ZDF so wenig Klimaberichterstattung wie noch nie. Die größte Krise unserer Zeit wird vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk schlicht totgeschwiegen – und das, obwohl er einen klaren Informationsauftrag hat. Während die Erderhitzung immer neue Rekorde bricht, sinkt die Berichterstattung auf ein historisches Tief.“

Das Kopf-in-den-Sand-stecken der Medien lässt das Thema jedoch nicht verschwinden. Es wird wohl vor allem dazu führen, dass die Probleme noch viel größer werden.

Wärmewende in Jena

Update auf das Gebäudemodernisierungsgesetz (22. Juli 2026)

Die Wärmeversorgung in Deutschland macht mehr als 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus und basiert zu etwa 80 Prozent auf fossilen Brennstoffen. Deshalb ist eine Transformation in diesem Bereich besonders wichtig. Dieser Prozess wird vor allem durch zwei Bundesgesetze begleitet:

  • das Wärmeplanungsgesetz (WPG)

Es regelt die Erstellung von Wärmeplänen in den Gemeinden. Darin werden Empfehlungen erarbeitet, welche Art der Wärmeversorgung in welchen Quartieren eines Ortes zukünftig die optimale Variante ist. Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis 30. Juni 2026 einen kommunalen Wärmeplan erstellen. Der Jenaer Wärmeplan wurde am 25. Juni 2025 vom Stadtrat beschlossen.

  • Neu: Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)

Das Gebäudeenergiegesetz von 2024 wurde am 10. Juli 2026 mit Beschluss des Bundestages und des Bundesrates durch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ersetzt. In diesem ist nun festgelegt, dass die Quote der Nutzung von mindestens 65% erneuerbarer Energie beim Einbau einer neuen Heizung entfällt. Damit kann auch weiterhin eine neue Gas- oder Ölheizung eingebaut werden. Um trotzdem das Klimaschutzgesetz zu erfüllen, muss ab 2029 ein wachsender Anteil an klimaneutralem Gas bzw. Öl beigemischt werden. Dies wird als „Bio-Treppe“ bezeichnet.

Über die voraussichtlichen Kosten sowie die Verfügbarkeit dieser Beimischungen gibt es bisher keine Aussagen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Ansatz in der Summe unwirtschaftlich sein wird. Er trägt somit zu einer Verunsicherung bei der Wahl eines neuen Heizungssystems bei.

Am 21. Juli 2026 trat die zugehörige neue Förderrichtlinie (Download) in Kraft. Gefördert wird der „Einbau von effizienten Wärmeerzeugern und Anlagen zur Heizungsunterstützung sowie der Anschluss an ein Gebäudenetz oder Wärmenetz“.

Der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist erheblich und dringend. Leider sind viele Menschen angesichts der Komplexität der Problematik, welche sich in den genannten Gesetzen widerspiegelt verunsichert und warten lieber ab, wie sich die Sache weiterentwickelt. Hinzu kommt, dass durch die aktuelle Bundesregierung die mit dem Gebäudeenergiegesetz begonnene Entwicklung durch das Gebäudemodernisierungsgesetz teilweise wieder in Frage gestellt wird. (Tagesschau 15.09.25 (1) und Tagesschau 15.09.25 (2))

Eine Gruppe von Studenten der FSU Jena haben gemeinsam mit den Parents for Future und Scientists for Future für die spezifische Situation in Jena eine Info-Broschüre erstellt, welche grundlegende Informationen zur Wärmewende mit konkreten, lokalen Informationen sowie Kontakt- und Beratungsmöglichkeiten verbindet. Das Material wurde auf den Stand vom 22. Juli 2026 aktualisiert (Förderrichtline des Gebäudemodernisierungsgesetzes) und kann nachfolgend als PDF-Dokument heruntergeladen werden:

Ebenso wurde eine Kalkulationstabelle erarbeitet, welche die Kosten der Umstellung einer Heizung von Gas auf eine Wärmepumpe über 20 Jahre auf Grundlage der Förderrichtlinie des Gebäudemodernisierungsgesetzes ermittelt. Die Tabelle kann in zwei Formaten heruntergeladen und kostenlos verwendet werden.

Update

Unter der Überschrift „Kostenfallen vermeiden“ veröffentlichte die Zeitschrift „test“ 1/2026 der Stiftung Warentest einen Beitrag zum Thema Einbau von Wärmepumpen.

Sie bezieht sich in diesem Beitrag auf Untersuchungen u. a. der Verbraucherzentrale Baden‑Württemberg, wo Angebote von Fachfirmen für die Installation von Wärmepumpen-Anlagen verglichen wurden. Auffällig war dabei die hohe Spanne der Kostenvoranschläge von 29.000 bis 62.000 Euro. Grund für diese großen Preisunterschiede sind laut den Verbraucherschützern stark voneinander abweichende Leistungen. Wenn Bauleistungen oder Elektroinstallationen als „bauseits“ ausgewiesen werden, sind diese Leistungen überhaupt nicht im Angebot enthalten. Auf Kunden, die das nicht wissen, können unerwartet zusätzliche Kosten bis in den fünfstelligen Bereich zukommen.

Als Service bieten deshalb die Verbraucherzentralen kostenlos einen unabhängigen Wärmepumpen‑Angebotsvergleich an. Darüber hinaus haben die Verbraucherzentralen eine neue Seite eingerichtet, auf der zentral Online-Kurse für Verbraucherinnen und Verbraucher aus allen Bundesländern angeboten werden. Unter anderem auch zur Heizungserneuerung und zur nachträglichen Wärmedämmung von Wohngebäuden. Dieses Angebot ist ebenfalls kostenlos.

Dieser Beitrag wurde aktualisiert am 24. Juli 2026

COP30 unter schwierigen Vorzeichen

Die klimatische Lage spitzt sich zu. Wenn am Montag die Weltklimakonferenz COP 30 in Belem am Rande des Amazonas-Regenwalds beginnt, sind 10 Jahre seit dem Beschluss von Paris vergangen, die Klimaerwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dieses Ziel ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichbar. Aktuell liegt die globale Mitteltemperatur im fünfjährigen Mittel bereits zwischen 1,3 und 1,4 Grad über dem vorindustriellen Niveau, wie aus den Daten von Copernicus hervorgeht, der Erdbeobachtungsagentur der EU.

In einem gemeinsamen Aufruf der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft wird ausgeführt, dass sowohl die internationalen Ambitionen wie auch darüber hinaus deren Umsetzung völlig unzureichend sind um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Es besteht die Gefahr, dass bereits Mitte des Jahrhunderts die mittlere globale Temperatur um 2 bis 3 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen könnte.

Jahrestemperaturen in Deutschland 1881- 2024 . Über die Zeit ist eine deutliche Zunahme der Temperatur hin zu höheren Temperaturen zu erkennen. © Stefan Rahmstorf; Datengrundlage: Deutscher Wetterdienst, CC BY-SA 2.0Jahrestemperaturen in Deutschland 1881- 2024 . Über die Zeit ist eine deutliche Zunahme der Temperatur hin zu höheren Temperaturen zu erkennen.
© Stefan Rahmstorf; Datengrundlage: Deutscher Wetterdienst, CC BY-SA 2.0

Das gemäßigte Klima der letzten 10 Jahrtausende hat die Voraussetzungen für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen geschaffen. Die gegenwärtige Generation junger Menschen muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie möglicherweise das Ende dieser gemäßigten Umweltbedingungen mit all ihren Konsequenzen erleben wird. © DPG / Gehlen 2025 [IV]Das gemäßigte Klima der letzten 10 Jahrtausende hat die Voraussetzungen für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen geschaffen. Die gegenwärtige Generation junger Menschen muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie möglicherweise das Ende dieser gemäßigten Umweltbedingungen mit all ihren Konsequenzen erleben wird.
© DPG / Gehlen 2025 [IV]

Inzwischen ist für jeden spürbar, dass sich unsere Natur gewandelt hat: Extreme Wetterereignisse, wie Stürme, Überschwemmungen, sintflutartige Regenfälle und die Gegensätze wie Dürren und Hitzewellen haben zugenommen. Inzwischen sind sieben von neun planetaren Überlastungsgrenzen überschritten.

Die steigenden Temperaturen führen derweil dazu, dass ex­tre­me Wetterereignisse wie Stürme, sintflutartige Regen­fälle, Überschwemmungen, aber auch Dürren und Hitzewellen immer mehr zunehmen. Sogenannte Kipppunkte, an denen einzelne Teilsysteme der großen Klima- und Biosphärenmaschine unseres Planeten unwiederbringlich in einen anderen Zustand übergehen, kommen in greifbare Nähe. Die planetaren Belastungsgrenzen werden immer weiter überschritten.

Ende September wurde ein „planetarer Gesundheitscheck“ veröffentlicht.  Johan Rockström, Direktor des PIK fasste darin zusammen:

„Mehr als drei Viertel der lebenswichtigen Erdsystem-Funktionen befinden sich nicht mehr im sicheren Bereich. Die Menschheit verlässt ihren sicheren Handlungsraum und erhöht so das Risiko, den Planeten zu destabilisieren“.

Betroffen sind nicht nur das Klima, sondern auch die Artenvielfalt, wichtige Nährstoffkreisläufe und die Versauerung der Ozeane, Letzteres eine Folge des steigenden CO2-Gehalts der Atmosphäre.

Planetare Gesundheit auf einen BlickPlanetare Gesundheit auf einen Blick

Mit der zunehmenden Erwärmung des Klimas steigt auch die Wahrscheinlichkeit, sogenannte Kipppunkte im Erdsystem zu überschreiten. Gemeint ist damit, dass bestimmte Erdsystemprozesse soweit aus dem bisherigen Gleichgewicht geraten, dass sie in ein neues, anderes Gleichgewicht kippen und nicht mehr in ihren vorherigen Zustand zurückkehren können. Die Veränderung ist irreversibel. Im Oktober wurde der „Global Tipping Points Report 2025“ veröffentlicht, der maßgeblich an der britischen Universität von Exeter erarbeitet wurde.

KipppunkteIn diesem Bericht wird festgestellt, dass die Korallenriffe quasi unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen. Es wird eingeschätzt, dass dies der erste erreichte Kipppunkt ist und die Korallenriffe endgültig zerstört sind. Korallen leben mit Algen in Symbiose. Wird das Wasser zu warm, verlassen die Algen ihre Korallen und diese verlieren damit ihre Nahrungsquelle. Über die Zeit und sterben die Korallen dann ab. Die Systemdienstleistung der Korallenriffe als Heimat vieler Fischarten fällt damit aus. Somit sind die dort lebenden Menschen unmittelbar mit betroffen: Fisch als Einkommen der Fischer und als Eiweißquelle für die Ernährung der Menschen in der Region steht nicht mehr ausreichend zur Verfügung. Ebenso funktioniert der Küstenschutz durch die Korallenriffe nicht mehr.

Tatsache ist, dass die nötige Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen um die Klimaziele von Paris zu erreichen, völlig unzureichend erfolgt ist. Nun meinen einige, man könne ja CO2 einfangen und im Untergrund speichern. Das Potential solcher Maßnahmen wird jedoch stark überschätzt. Im September erschien dazu im Fachjournal „nature“ ein Artikel der die Grenzen der Kohlenstoffspeicherung im Untergrund aufzeigt. Es wird festgestellt, dass ohne klare und drastische Reduktionsvorgaben für den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas, die auch strikt einzuhalten sind, die Klimaziele nicht erreicht werden können. Abscheidungs- und Speicherverfahren für CO2 sind bestenfalls ergänzende Maßnahmen um die CO2-Konzentration wieder zu senken, wenn die Emissionen endlich drastisch zurückgefahren sein sollten.

Als Fazit kann an dieser Stelle stehen, dass der Kampf um jedes Zehntel Grad gehen muss, das an Klimaerwärmung vermieden werden kann. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Die Vertröstung auf technische Verfahren und Wirtschaftswachstum, um diese Verfahren breit anwenden zu können, wie Herr Merz im Vorfeld der COP30 in Brasilien ausführte, ist schlicht ein Irrweg.

24. Juli 2025 – Earth Overshoot Day

Der 24. Juli markiert den diesjährigen Erd-Überlastungstag (Earth Overshoot Day), den Tag, an dem der Bedarf der Menschheit an natürlichen Ressourcen die Fähigkeit der Erde übersteigt, diese Ressourcen im Laufe eines ganzen Jahres wieder aufzufüllen. Dieses Datum wird vom Global Footprint Network berechnet und jährlich veröffentlicht.

Der Earth Overshoot Day am 24. Juli 2025 bedeutet, dass die Menschheit derzeit die Natur 1,8-mal schneller verbraucht, als die Ökosysteme der Erde sich regenerieren können. Diese Überlastung entsteht, weil mehr CO₂ ausgestoßen wird, als die Biosphäre aufnehmen kann, mehr Süßwasser verbraucht wird, als nachfließt, mehr Bäume gefällt werden, als nachwachsen können, mehr gefischt wird, als sich die Bestände erholen können, usw. usf. Diese Übernutzung, die über das hinausgeht, was die Natur erneuern kann, führt unweigerlich zur Erschöpfung der natürlichen Ressourcen der Erde. Sie gefährdet die langfristige Ressourcensicherheit insbesondere für die Menschen, die bereits jetzt Schwierigkeiten haben, Zugang zu den für ihren Betrieb notwendigen Ressourcen zu erhalten. Die Übernutzung ist nicht nur die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt, der Erschöpfung der Ressourcen, der Entwaldung und der Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre, wodurch sich extreme Wetterereignisse häufen und verschärfen. Sie führt auch zu Nahrungsmittel- und Energieunsicherheit, Gesundheitskrisen und schürt Konflikte.

Der Earth Overshoot Day liegt zwar in diesem Jahr so früh wie nie zuvor, bleibt aber seit über 15 Jahren innerhalb eines engen Zeitfensters gegen Ende des Monats Juli. Den Rest des Jahres lebt die Menschheit davon, den Planeten auf Kosten der Zukunft weiter auszubeuten. Trotz des nahezu gleichbleibenden Datums nimmt der Druck auf den Planeten zu, da die Schäden durch die Übernutzung kumulieren.

Earth Overshoot Day 1971 bis 2025

Earth Overshoot Day 1971 bis 2025

Dr. Paul Shrivastava, Professor an der Pennsylvania State University und Co-Präsident des Club of Rome, kommentiert: „Der Earth Overshoot Day erinnert uns daran, dass die Menschheit zu viel verbraucht, indem sie sich aus der Zukunft bedient. Wenn dies ungehindert weitergeht, wird es zu einem Zusammenbruch kommen, da die Umwelt zu sehr erschöpft sein wird, um alles zu bieten, was die Menschen brauchen. Die Vermeidung eines finanziellen und ökologischen Zahlungsausfalls hängt von unserer Fähigkeit und Bereitschaft ab, die Schulden zurückzuzahlen. Die gute Nachricht ist, dass es möglich ist, einen ökologischen Zahlungsausfall zu vermeiden: Wir haben die wirtschaftliche Fähigkeit dazu. Lassen Sie uns nun den politischen Willen entwickeln, angefangen beim individuellen Verbraucherverhalten bis hin zu den Wirtschaftsstrategien der Regierungen.“

Dr. Mathis Wackernagel, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Global Footprint Network, erklärt: „Aufgrund der Natur der Physik kann ein Overshoot nicht von Dauer sein. Er wird entweder durch bewusste Maßnahmen oder durch eine Katastrophe beendet werden. Es sollte nicht allzu schwer sein, sich für eine der beiden Optionen zu entscheiden, insbesondere angesichts der vielen Möglichkeiten, die sich bieten.“

Über den ökologischen Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck ist die umfassendste verfügbare Messgröße für biologische Ressourcen.  Basierend auf 15.000 Datenpunkten pro Land und Jahr addiert er alle konkurrierenden Ansprüche der Menschen an biologisch produktive Flächen – Nahrung, Holz, Fasern, Kohlenstoffbindung und Unterbringung von Infrastruktur. Derzeit macht der CO2-Fußabdruck, d. h. die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, 61 Prozent des ökologischen Fußabdrucks der Menschheit aus. Die nationalen Fußabdruck- und Biokapazitätskonten werden derzeit von der York University in Toronto erstellt und von FoDaFo verwaltet.

benötigte Erden ausgewählter Länder

benötigte Erden ausgewählter Länder

Möglichkeiten, den Earth Overshoot Day zu verzögern

Durch das Global Footprint Network werden Lösungsansätze aufgezeigt, die ein „#MoveTheDate“ ermöglichen. Sie sind machbar und finanziell vorteilhaft. Möglichkeiten bieten sich in fünf Schlüsselbereichen: Stadtentwicklung, Energie, Ernährung, Bevölkerungsentwicklung und planetare Wechselwirkungen. Die Seite „Power of Possibility“ zeigt über 100 Optionen auf, den Earth Overshoot Day zu verschieben. In diesem Jahr müsste der Erd-Überlastungstag um 160 Tage nach hinten verschoben werden, um eine Überlastung zu vermeiden. Dabei ist jedoch noch keinerlei „Erholung“ der Übernutzung aus vorangegangenen Jahren berücksichtigt.

Beispielsweise würde die Umsetzung folgender Vorschläge den Erdüberlastungstag 2025 auf den 31. Dezember verschieben:

  • Die Festsetzung eines Preises von 100 US-Dollar pro Tonne Kohlenstoff würde den Earth Overshoot Day um 63 Tage verschieben.
    Hierbei ist jedoch unbedingt auf eine soziale Anpassung zu achten, da arme Menschen von der Preisfestsetzung deutlich stärker betroffen wären als reiche Menschen. Die Einnahmen müssen also mindestens gleichmäßig, besser sozial angepasst, an alle Bürger zurückgezahlt werden.
  • Wenn 75 % der Elektrizität aus kohlenstoffarmen Quellen erzeugt würden (gegenüber derzeit 39 %), würde sich der Earth Overshoot Day um 26 Tage nach hinten verschieben.
  • Gezielte Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energien, welche die Stromerzeugung weltweit um 50 % dekarbonisieren würden, könnten den Earth Overshoot Day um 22 Tage verschieben.
  • Smart cities nutzen vorhandene Technologien für Gebäude, industrielle Prozesse und die Stromverteilung und verringern die Abhängigkeit von energieintensiven Transportmitteln. Bei weltweiter Anwendung könnte dies den Earth Overshoot Day um 29 Tage nach hinten verschieben.
  • Durch die Anwendung von Gestaltungsprinzipien, die von traditioneller und indigener Architektur inspiriert sind, könnte der Earth Overshoot Day um 11 Tage verschoben werden. Hier ist vor allem die Holzbauweise zu erwähnen.
  • Effektive Fahrradinfrastruktur, die sicher und direkt ist und möglichst wenig Unterbrechungen hat, lockt mehr Menschen dazu, ein Fahrrad gegenüber anderen Transportarten zu wählen. Eine bessere Fahrradinfrastruktur könnte den Anteil der Fahrradtouren auf bis zu 35% aller Fahrten erhöhen und den Earth Overshoot Day um 9 Tage verschieben.

Alle diese genannten Beispiele sind Teil einer Vielzahl vor allem politischer Aufgaben, die auf allen Ebenen – global, national, regional und kommunal bearbeitet werden müssen. Das zügig anzugehen, entspricht einer gestalteten Transformation unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Das nicht oder nur unzureichend oder zu spät zu tun, würde über kurz oder lang zu einem Kollaps führen.

Klimaschäden – verursacht durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine

Das Zentrum für Umweltinitiativen „ecoaction“ aus Kiew ist eine zivilgesellschaftliche Organisation in der Ukraine im Umweltbereich. Eine Arbeitsgruppe dieser Initiative unter Leitung von Lennard de Klerk hat die Klimaschäden, die im Verlauf des bereits drei Jahre andauernden Krieges entstanden sind, analysiert und in einem Bericht veröffentlicht.

Dabei ermittelten sie, dass die Treibhausgasemissionen durch die unmittelbaren Kampfhandlungen, den erforderlichen Wiederaufbau von Gebäuden, durch Landschaftsbrände, Schäden an der Energieinfrastruktur, die Fluchtbewegung der Zivilbevölkerung und die zivile Luftfahrt im dritten Kriegsjahr um 30 % – entsprechend 55 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent (CO2e) – gestiegen sind. Somit sind kriegsbedingt insgesamt 230 MtCO2e seit Beginn der Invasion am 24. Februar 2022 emittiert worden. Die Emissionen entsprechen dem Äquivalent der jährlichen Emissionen von Österreich, Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei zusammen. Oder, um einen anderen Vergleich zu bemühen, den jährlichen Emissionen von 120 Millionen mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftfahrzeugen.

Den größten Anteil an den Emissionen wie auch den größten Zuwachs im vergangenen Jahr hat die unmittelbare Kriegsführung, was hauptsächlich auf die fortgesetzte Verwendung großer Mengen an fossilen Treibstoffen und Munition zurückzuführen ist. Die Emissionen aus einer anderen großen Kategorie, dem Wiederaufbau von beschädigten Gebäuden und Infrastrukturen, wuchsen langsamer, da die meisten Schäden in den ersten Wochen und Monaten nach der umfassenden Invasion entstanden.

Sektoranteile der CO2-Emissionen

Sektoranteile der CO2-Emissionen

Durch den Krieg verursachte Waldbrände eskalierten 2024 dramatisch. So verdoppelten sich fast die verbrannten Flächen in der Ukraine von durchschnittlich 38,3 Tausend Hektar pro Jahr in den beiden Vorjahren auf 92,1 Tausend Hektar im Jahr 2024. Die Emissionen aus allen Landschaftsbränden, einschließlich der Waldbrände, stiegen mit 25,8 MtCO2e im Jahr 2024, auf einen neuen Gesamtbetrag in allen drei Jahren von 48,7 MtCO2e. Wie in der folgenden Abbildung erkennbar ist, ereigneten sich die meisten Brände an oder in der Nähe der Frontlinien oder in Grenzgebieten.

Die klimatologische Analyse zeigte, dass der Sommer 2024 viel trockener war als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, was wahrscheinlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Diese trockenen Bedingungen schufen die idealen Voraussetzungen dafür, dass Brände, die durch die laufenden Kriegshandlungen verursacht wurden sich dann zu größeren Bränden ausweiten. Da es für die Feuerwehr gefährlich ist, im unmittelbaren Kriegsgebiet zu löschen, wüten diese Brände unkontrolliert weiter und werden immer größer und intensiver. Sie führen zu Kohlendioxidemissionen und zerstören die Vegetation und andere natürliche Kohlenstoffsenken. Das Jahr 2024 ist ein beunruhigendes Beispiel dafür, wie Klimawandel und bewaffnete Konflikte sich gegenseitig verstärken und zu einer verstärkten globalen Erwärmung führen. Es ist ein Kreislauf der Zerstörung.

kriegsbedingte Brände als Emissionsquellen

kriegsbedingte Brände als Emissionsquellen

Die Zerstörung der Energieinfrastruktur verursachte weitere 2,8 Millionen Tonnen CO2e (+16%) in den in den letzten 12 Monaten, so dass sich der Gesamtwert auf 19,0 MtCO2e seit 2022 beläuft.

Die Zerstörung der zivilen Infrastruktur verursachte weitere 6,2 Millionen Tonnen CO2e (+11%) in den letzten 12 Monaten, so dass sich die Gesamtmenge in diesem Bereich auf 62,2 MtCO2e seit 2022 beläuft. Obwohl die meisten Schäden in den ersten Wochen des Konflikts verursacht wurden, sind die städtischen Zentren nahe der Front noch immer stark beschädigt. Die russischen Streitkräfte besetzten langsam aber stetig weitere Gebiete in der Ostukraine und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Für den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude werden riesige Mengen an Baumaterialien benötigt, von denen kohlenstoffintensiver Beton und Stahl über 80 % der künftigen Wiederaufbauemissionen verursachen werden.

Ein nicht geringer Anteil von Emissionen resultiert aus der Tatsache, dass der Luftraum über den Kriegsgebieten für die zivile Luftfahrt weiträumig gesperrt ist. Eine neue und einzigartige Analyse basiert auf Echtzeit-Flugdaten von über 350.000 jährlichen Flügen über Russland, der Ukraine und Weißrussland vor der Invasion und den umgeleiteten und längeren Flugrouten, die diese Flüge aufgrund der Luftraumsperrung nehmen müssen. Die daraus resultierenden zusätzlichen Emissionen betragen 4,8 Millionen tCO2e, so dass sich die diesbezüglichen Gesamtemissionen auf 14,4 Millionen tCO2e nach drei Jahren des Krieges belaufen.

Insgesamt ist der Bericht ein klarer Beleg dafür, dass Kriege im Allgemeinen und der russische Angriffskrieg in der Ukraine im Speziellen nicht nur großes menschliches Leid und materielle Zerstörungen verursachen, sondern auch die Klimakrise weiter verschärfen. Kampf gegen den Klimawandel muss deshalb immer auch Kampf um Frieden sein.

Fortschritte beim Klimaschutz nicht ausreichend – Klimapolitik breiter denken

Bericht des Expertenrats für Klimafragen

Der Expertenrat für Klimafragen hat den gesetzlichen Auftrag die Entwicklungen und Trends der Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik zu untersuchen und die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und sozialen Verteilungswirkungen zu bewerten. Er gibt darüber hinaus eine Einordnung zur Ausrichtung der zukünftigen Klimaschutzpolitik Deutschlands und formuliert dabei Anforderungen an das Klimaschutzprogramm, das eine neue Bundesregierung innerhalb des ersten Jahres der Legislaturperiode vorlegen muss. Am 5. Februar 2025 hat der Expertenrat sein Zweijahresgutachten veröffentlicht.

Der Trend des Rückgangs der Treibhausgasemissionen von 2014 bis 2023 hat sich im Vergleich zur Dekade 2010 bis 2019 beschleunigt. Diese Fortschritte beruhen vor allem auf den Emissionsminderungen in den Bereichen Energie und Industrie. Im Energiebereich beruhen diese vor allem auf dem Ausbau der erneuerbaren Energien. In der Industrie waren vor allem höhere Energiepreise sowie konjunkturelle und strukturelle Nachfragerückgänge für die Emissionsminderung verantwortlich. In den beiden Sektoren Gebäude und Verkehr ist die Emissionsminderung hingegen unzureichend. Problematisch ist die Entwicklung im Sektor Landnutzung LULUCF, der eine Nettoquelle statt, wie geplant, eine Nettosenke darstellt. Insgesamt reichen die bisherigen Ergebnisse nicht aus, die gesetzlich festgelegten Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Zum anderen richtet sich der Blick auf die Betroffenheit der privaten Haushalte, insbesondere vulnerable Gruppen innerhalb der Gesellschaft. „Private Haushalte sind vor allem in den Nachfragesektoren Gebäude und Verkehr von finanziellen Auswirkungen verschiedener Maßnahmen betroffen. Zudem weisen einige Maßnahmen ein soziales Ungleichgewicht auf, so wurden bisher primär einkommensstarke Haushalte gefördert“, merkt die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Knopf an. „Diese negativen Verteilungswirkungen könnten durch steigende CO2-Preise noch verstärkt werden. Daher sind zusätzliche Unterstützungs- und Kompensationsmaßnahmen erforderlich.“ Der Expertenrat empfiehlt, die sozialen Auswirkungen bei der Ausgestaltung klimapolitischer Maßnahmen künftig stärker mit einzubeziehen und nennt einige Maßnahmenbeispiele zu deren Adressierung.

Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl

Betrachtet man die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2025 für den Bereich Klima und Energie so zeigt sich, dass dieses Thema nicht unbedingt im Vordergrund steht. Ein klares Bekenntnis zu 100% erneuerbarer Energieversorgung findet sich lediglich bei der Partei die Linke. Vielfach ist nur davon die Rede, die Energie möglichst billig, sprich fossil, anzubieten bzw. wird die erneute Nutzung von Kernenergie propagiert. Damit werden die gesetzlichen Klimaziele der Bundesrepublik wie auch der EU konterkariert.

Position des Aktionsbündnis Klima und Umwelt Jena zur Bundestagswahl

Aus Sicht des Aktionsbündnisses muss dem Themenkomplex Klima und Energie eine deutlich höhere Priorität in der Politik zukommen. Wie auch der Expertenrat hervorhebt, müssen dabei die Konsequenzen vor allem für die sozial schwachen Haushalte beachtet und für einen wirksamen Ausgleich der zu erwartenden Belastungen gesorgt werden.

Am 4. Februar haben Mitglieder des Aktionsbündnisses ihre Position bei einem Flashmob in einer SilentLine zum Ausdruck gebracht.

SilentLine des ABKU Jena

SilentLine des ABKU Jena

Weltgedenktag für die Straßenverkehrsopfer

Quasi täglich finden sich in den Medien Meldungen über Verkehrsunfälle, häufig auch mit sogenanntem „Personenschaden“. Besonders tragisch sind dabei Verkehrsunfälle mit Todesfolge.
Seit 1995 wird, initiiert durch die UN Generalversammlung, an jedem dritten Sonntag im November ein Weltgedenktag für die Opfer des Straßenverkehrs begangen. Auch wenn in Deutschland die Anzahl der Verkehrsopfer seit einigen Jahren rückläufig ist, so ist doch jedes Verkehrsopfer eines zu viel. In Deutschland gab es 2023 trotz der Aktion „Vision Zero“ 2839 Verkehrstote, womit deutlich wird, dass diese Aktion ihrem Namen nicht gerecht wird.

Die Parents for Future Gruppe Jena hat sich deshalb heute Abend zu einer Mahnwache am Johannistor getroffen um auf diese Problemlage auch in Jena aufmerksam zu machen.

P4F Mahnwache am Johannistor

P4F Mahnwache am Johannistor

P4F Mahnwache am Johannistor

P4F Mahnwache am Johannistor

Gefordert wurden vor allem strukturelle Verbesserungen, wie die deutliche Reduzierung der Geschwindigkeiten und die Durchsetzung bereits geltender Vorschriften. Insbesondere auch in Bezug auf die Klimakrise wurde die Beschränkung des individuellen motorisierten Verkehrs zugunsten des Fuß-, Rad- und öffentlichen Personenverkehrs gefordert.

In diesem Zusammenhang wurde auch auf eine Petition beim Deutschen Bundestag „Überarbeitung des Bundesverkehrswegeplans unter Berücksichtigung des Klimaschutzes.“ vom 17.10.2024 verwiesen. Diese fordert die umgehende Anpassung der Bundesverkehrswegeplanung an die nationalen und internationalen Klimaziele. Die Petition kann an dieser Stelle mitgezeichnet werden.