Am 21. Oktober 2026 veröffentlicht das UN-Umweltprogramm seinen Report 2026. Im besten Fall nicht mehr als 1,5 Grad wärmer seit der vorindustriellen Zeit – so lautet der Beschluss des Pariser Klimaabkommens von 2015. Der Untertitel des Reports lautet „Emissions Gap Report 2026“ – zu gut Deutsch „Bericht zur Emissionslücke 2026“. Im Titel wie auch im Untertitel steckt bereits die zentrale Aussage des Berichts: Die tatsächlichen Emissionsminderungen reichen nicht aus, das in Paris formulierte Klimaziel zu erreichen. Der Moment der Umkehr des Trends, der Moment diese Lücke zu verringern ist jetzt.
„Die 1,5-°C-Grenze ist nicht zu halten.“
Jahrzehntelange unzureichende Klimaschutzmaßnahmen machen eine Überschreitung der 1,5-°C-Grenze unvermeidbar. Von den heute getroffenen Entscheidungen hängt es entscheidend ab, ob diese Überschreitung nur vorübergehend sein wird, und es gelingt, bis zum Ende dieses Jahrhunderts die globale Erwärmung wieder auf die 1,5 °C zurück zu fahren.
Stand der Dinge heute
Die Abbildung zeigt, dass die Treibhausgas(THG)-Emissionen im Zeitraum 1990 bis 2024 permanent angestiegen sind. In der letzten Dekade hat sich jedoch der Anstieg im Vergleich zur Zeit von 1990 bis 2016 leicht verringert. 2025 waren die THG-Emissionen auf einem ähnlichen Niveau wie 2024. Die Ursache für diese Entwicklung ist jedoch ausschließlich auf die Verringerung der Emissionen im Bereich der Landnutzungsänderungen und der Forstwirtschaft (land use, land-use change and forestry – LULUCF) zurückzuführen. Insbesondere die Emission von fossilem CO2 ist weiter gewachsen. Es ist deshalb zu früh zu hoffen, dass die Gesamtemissionen ein Plateau erreicht haben könnten und zukünftig sinken werden.
Turnusmäßig haben die meisten G20-Länder neue freiwilligen Selbstverpflichtungen (nationally determined contributions – NDCs) zur Emissionsminderung der Treibhausgase für die Zeit 2030 bis 2035 an das UN-Umweltprogramm eingereicht. Die daraus resultierenden globalen Emissionsminderungen reichen jedoch nicht aus, um das Pariser Klimaziel zu erreichen.
Die sich daraus ergebenden Szenarien sind nachfolgend dargestellt.
Das Klimaszenario, welches die Beschlüsse von Paris erfüllen würde, ist nicht mehr möglich. Dafür hätte bereits 2020 der Emissionspeak erreicht und seitdem die Emissionen kontinuierlich gesenkt werden müssen. Es verbleiben zwei Szenarien, die beide ein sofortiges Absenken der Emissionen erfordern. Das blau dargestellte Szenario erfordert eine mittlere jährliche Emissionsminderung von etwa 16 Gt CO2-Äquivalenten. Damit ist ein Wert von etwas mehr als 1,5 °C Klimaerwärmung im Jahr 2100 erreichbar, die jedoch in der Zwischenzeit bis dahin deutlich überschritten werden wird.
Das rot dargestellte Szenario erfordert eine mittlere jährliche Emissionsminderung von etwa 6 Gt CO2-Äquivalenten. Diese Absenkung entspricht etwa dem Wert, der während der Corona-Epidemie erreicht wurde, jedoch ab sofort dauerhaft. Damit wird im Jahr 2100 eine Klimaerwärmung knapp unter 2 °C erreicht.
Wenn nichts unternommen wird und die Entwicklung sich so wie bisher fortsetzt, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% im Jahr 2100 eine Klimaerwärmung von 2,8 °C erreicht. Wenn alle Länder weltweit alle ihre heute bekannten Selbstverpflichtungen sowie alle ihre Netto-Null-Verpflichtungen zum geplanten Zeitpunkt tatsächlich realisieren würden, dann könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% im Jahr 2100 eine globale Erwärmung von 2,1 °C erreicht werden. Die Angaben sind Mittelwerte. Die Auswirkungen von Kippeffekten sind hier nicht berücksichtigt.
Der Bericht zeigt den Ernst der Situation. Was die bereits in diesem Jahr festgestellten 1,4 °C Klimaerwärmung für Auswirkungen haben können, konnten wir alle bereits in diesem Jahr erleben. Was also eigentlich dringend zu tun ist und in welche Richtung sich die Politik in der Welt, in Europa und in Deutschland derzeit bewegt kann jeder selbst einschätzen.



