Die Hitzetage der vergangenen Woche werden uns wohl noch länger in Erinnerung bleiben. Sowohl wegen der erreichten absoluten Temperaturen als auch wegen ihres frühzeitigen Auftretens bereits im Juni. Mehrfach purzelten die Temperaturrekorde sowohl für einen Juni als auch absolut jemals gemessene seit Beginn der Aufzeichnungen. Dabei war dies bereits die zweite Hitzewelle in diesem Jahr. Für die erste Hitzewelle Ende Mai liegen vom Klimawandel-Service des copernicus-Projekts bereits ausgewertete Daten vor:

Die tägliche oberflächennahe Lufttemperatur (°C) wurde über Westeuropa (11° W-15° E, 34-55° N) für die Jahre von 1940 bis 2025 jeweils für den Zeitraum vom 1. März bis 1. September gemittelt. Diese Werte sind im Hintergrund mit schwach rosa Linien dargestellt. Der Tagesdurchschnitt für den Referenzzeitraum 1991-2020 wird mit einer gestrichelten roten Linie angezeigt. Die Werte für das Jahr 2026 sind als dicke rote Linie aufgetragen. Quelle: Copernicus
Hitzestress
Nun sind gemessene Temperaturen das Eine, und sicher für die Statistik unverzichtbar. Unsere Empfindungen bei solchen Verhältnissen sind aber etwas Anderes: Wir fühlen nicht nur die Temperatur als solche, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, den Wind und die Sonneneinstrahlung. Werden diese Einflüsse mit berücksichtigt, spricht man von einer sogenannten gefühlten Temperatur. Diese erreichte in den vergangenen Hitzetagen laut dem ERA5-HEAT-Datensatz in weiten Teilen Westeuropas 35 ° C bis 40 °C. Die Werte entsprachen den Hitzestressbedingungen „stark“ (über 32°C) und „sehr stark“ (über 38°C).
Die Hitzewelle führte dazu, dass zahlreiche nationale und lokale Rekorde gebrochen wurden, sowohl für Tages- als auch für Nachttemperaturen. Damit verbunden waren erhebliche gesundheitliche Auswirkungen in allen betroffenen Ländern Westeuropas.
Anhaltende Hochdruckbedingungen
Verbunden war die Hitzewelle mit einem stabilen, nahezu stationären Hochdruckgebiet, was zu einer Ausprägung eines heat domes, einer Wärmekuppel, über Westeuropa führte. Dieses Wettermuster, das häufig bei großen Sommerhitzewellen beobachtet wird, führt zu längerer Sonneneinstrahlung, verbunden mit schwachen Winden und begünstigte somit die starke Aufheizung. An der Westflanke des Hochdruckgebietes wurde auch heiße Luft aus Marokko nach Norden transportiert, was wahrscheinlich zu den ungewöhnlich hohen Temperaturen in den nach Atlantik ausgerichteten Regionen beiträgt.
Schneller Übergang von kühler als durchschnittlich zu Hitzewelle
Die erste Hitzewelle Anfang Juni kam unmittelbar nach einer Zeit, in der die Bedingungen in weiten Teilen West- und Mitteleuropas kälter als im Durchschnitt waren. Durch den schnellen Übergang Ende Mai zu der anschließenden Hitzeperiode hatte der menschliche Körper wenig Zeit, sich an die viel höheren Temperaturen zu gewöhnen, was die Stress-Auswirkungen auf die Bevölkerung erhöht. Das frühe Timing setzte auch Vegetation und Ökosysteme zu Beginn der Vegetationsperiode extremer Hitze aus.

Durchschnittliche tägliche Oberflächenlufttemperaturanomalie (links) vom 11. bis 19. Mai 2026 und (rechts) vom 21. bis 30. Mai 2026 im Vergleich zum entsprechenden Durchschnitt für den Zeitraum 1991–2020. Datenquelle: ERA5. Quelle: Copernicus
Starke bis schwere marine Hitzewellen
So wie die Hitzewelle über dem Festland Mitteleuropas wurde auch in den Seegebieten um Großbritannien und Irland, im Golf von Biskaya und im westlichen Mittelmeer eine entsprechende Hitzewelle beobachtet. Das warme Wasser wurde wahrscheinlich durch die gleichen sonnigen und windarmen Bedingungen begünstigt.
Langfristiger Kontext: Die rasche Erwärmung Europas
Obwohl es so früh im Jahr bemerkenswert ist, stimmt dieses Ereignis mit der schnellen Erwärmung Europas und der zunehmenden Häufigkeit und Intensität der Hitzewellen überein, die bereits im Sommer beobachtet wurden. Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent, mit einer Erwärmungsrate von etwa 0,56 °C pro Jahrzehnt seit Mitte der 1990er Jahre, mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt. Während sich das europäische Klima weiter erwärmt, werden Hitzewellen voraussichtlich sowohl immer früher als auch später im Jahr über den Sommer hinaus auftreten. Und in Verbindung mit den typischen Hochdruckwetterlagen werden sie länger dauern und zu höheren Temperaturen führen.
Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits im 5. Sachstandsbericht des IPCC 2013 prognostiziert wurde – dort allerdings charakterisiert als „ausgeprägt“ für die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dass dieser vorhergesagte Trend bereits jetzt deutlich spürbar ist belegt die Dringlichkeit des Problems.
Aktuell neue Rekordwerte gemessen
Aktuell droht die Situation sich weiter zu verschärfen. Wie der Copernicus Dienst zur Meeresumweltüberwachung und der Copernicus Dienst zum Klimawandel melden [https://climate.copernicus.eu/copernicus-marine-and-copernicus-climate-change-daily-global-sea-surface-temperatures-break-records], brechen die täglichen globalen Meeresoberflächentemperaturen alle Rekorde für die Jahreszeit.
Beide Dienste bestätigen, dass die globalen Meeresoberflächentemperaturen (SST) nun die 2023 und 2024 beobachteten Rekordwerte für diese Jahreszeit überschritten haben. Die täglichen SST-Daten des C3S übertrafen am 21. Juni mit 20,86 °C die Werte von 2024 und lagen geringfügig über den 20,83 °C der Jahre 2023 und 2024. Auch die täglichen SST-Daten des CMEMS wiesen am 21. Juni Rekordtemperaturen von 21,0 °C aus und übertrafen die bisherigen Rekorde aus den Jahren 2023 und 2024 um 0,1 °C.
Der neue globale Rekordwert für die Meeresoberflächentemperatur zu dieser Jahreszeit war nach der Ankündigung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) am 2. Juni 2026 zum Beginn von El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik sowie den in den vergangenen Monaten in mehreren Ozeanregionen ungewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen zu erwarten. Prognosen zufolge wird dieser Rekord Auswirkungen auf Wetterverläufe, das globale Klima und marine Ökosysteme haben.
Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus Dienstes bemerkte dazu:
„Die aktuellen Bedingungen könnten auf den Beginn einer neuen Phase hindeuten, die uns wieder einmal in unbekanntes Terrain führen wird. Angesichts dieser Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El-Niño-Ereignisses werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen.“
Konsequenzen?
Dass grundlegende und konsequente Reaktionen angesichts der realen Bedingungen von Hitzewellen und der unmittelbar drohenden Verschärfung der Probleme nötig sind, werden wohl nur noch Voll-Ignorant:innen bestreiten. Was aber wird unternommen? – Kommunen werden beauftragt, Hitzeschutzpläne zu erarbeiten, deren Umsetzung an der Finanzierung scheitert. Flächen sollen entsiegelt werden. Das Gegenteil passiert – in Jena wird gerade im Ortsteil Münchenroda eine Grünfläche für die Bebauung mit Einfamilienhäusern geplant.
Hitzeschutz besteht vor allem aus nett gemeinten Hinweisen an die Bevölkerung, wie sie sich bei extremen Temperaturen verhalten soll. Ob dabei einige öffentliche Trinkbrunnen im Stadtgebiet der Durchbruch sind, ist fraglich.
Ursache sind die durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise seit der Industrialisierung emittierten Treibhausgase, zuallererst CO2. Eine ernsthafte Reduzierung der Emissionen sollte natürlich bei den größten Emittenten beginnen. Dabei tragen wenige große Unternehmen maßgeblich zur CO2-Belastung bei: 2024 gingen laut der Datenbank Carbon Majors mehr als die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen auf lediglich 32 Konzerne zurück. Solange in der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise – genannt Kapitalismus – der Profit die bestimmende Wirtschaftsgröße ist und fortwährendes Wachstum einschließlich Raubbau an Mensch und Natur erzwingt, werden wir das Problem nicht lösen. Ich kenne nur einen sinnvollen Ansatz: Schnellstmögliche Transformation zu einem ökologischen sozialistischen System. Streng genommen ist es dafür aber wohl schon zu spät. Deshalb bleibt nur der Kampf um jedes zehntel Grad vermiedene Erderwärmung.

